„Mit dem Fahrrad können wir die Welt verändern!“

Reinhold Goss ist ehrenamtlicher Fahrradbürgermeister von Köln. Er möchte – als Teil des Bicycle Mayor Network (BYCS) – die Radinfrastruktur in seiner Stadt verbessern, damit mehr Menschen sicher Fahrrad fahren. Grund genug, ihm den Titel JobRad-Fahrradheld zu verleihen. Ein Interview über Tempo 30 in der Innenstadt, einen Wunsch bei der Fahrrad-Fee und das typische Lächeln beim Radeln.

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Herr Goss, Sie sind „Bicycle Mayor for Cologne“. Was sind Ihre Aufgaben? 

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Ich sehe mich in diesem Ehrenamt als drängelnder Botschafter wie auch als Vermittler zwischen Politik, Verwaltung und Bürgerinnen und Bürgern, um schnell eine gute Radinfrastruktur zu entwickeln. Und dabei möchte ich auch denjenigen eine Stimme geben, die nicht immer im Fokus sind, dazu gehören zum Beispiel Kinder oder ältere Menschen. Dieses Amt ist also keine Konkurrenzveranstaltung zum Fahrradbeauftragten, den Fahrradverbänden oder Verkehrsinitiativen in unserer Stadt. Weltweit gibt es übrigens mehr als 120 ehrenamtliche Fahrradbürgermeisterinnen und -bürgermeister in über 33 Ländern. Wir alle wollen der Verkehrswende ein Gesicht geben.

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Welches Ziel verfolgen Sie als Fahrradbürgermeister von Köln? 

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Ich möchte, dass Köln 2025 deutsche Fahrradhauptstadt wird. Zugegeben, das ist ein ehrgeiziges Ziel. Aber wir sind in Köln besonders zum Erfolg verpflichtet. Stichwort: menschengemachter Klimawandel. Die schrecklichen Überschwemmungen bei uns in Nordrhein-Westfahlen haben gerade wieder gezeigt, wie dringend wir etwas fürs Klima tun müssen. Ein Hebel ist sicher der schnellere Ausbau des Radverkehrs, zum Beispiel mit Pop-Up-Radwegen oder „Grüner Welle“ für Radfahrer. Außerdem sollte Tempo 30 in der Innenstadt die Regel sein.

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Wie sind Sie eigentlich an dieses Amt gekommen? 

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Jeder und jede kann eine Fahrradpersönlichkeit der eigenen Stadt als „Bicycle Mayor“ vorschlagen. Man kann sich auch selbst bewerben. In meinem Fall war das BYCS-Netzwerk gerade auf der Suche nach einer Fahrradpersönlichkeit in Köln. Ich wurde vorgeschlagen und von verschiedenen Zusammenschlüssen – von ADFC bis zum ADAC – unterstützt. Darüber hinaus habe ich mich beworben und persönlich vorgestellt. Dass ich letztendlich für zwei Jahre zum ehrenamtlichen Fahrradbürgermeister ernannt wurde, ehrt mich sehr. 

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Gibt es eine gemeinsame Agenda des Bicycle Mayor-Netzwerks?

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Die Organisation BYCS hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Ausbau des Radverkehrs in Städten zu beschleunigen. BYCS ist überzeugt – und ich bin es auch –, dass Fahrradfahren viel mehr ist, als „nur“ eine effiziente und nachhaltige Form der Mobilität. Mehr Radverkehr bedeutet auch, dass es gendergerechter auf den Straßen zugeht, die „Veedel“, wie wir Kölner zu Stadtvierteln sagen, gestärkt werden, soziale Ungleichheit abgebaut und die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner gefördert wird. Kurz: Mit dem Fahrrad können wir die Welt verändern.

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Stellen Sie sich vor, die Bike-Fee landet eines Morgens in Ihrer Kaffeetasse und Sie hätten einen Fahrrad-Wunsch frei...

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...ich würde mir wünschen, dass alle Menschen im Fahrrad die Lösung für die Verkehrswende erkennen. 

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Was würden Sie tun, wenn Sie Fahrradminister von Deutschland wären?

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Als Verkehrsminister würde ich die Themen Fahrrad und ÖPNV priorisieren und in diese Bereiche viel Geld investieren. Ich würde mich zudem mit dem Thema autonomes Fahren intensiv beschäftigen und die wichtigen Fragen stellen: Was macht diese neue Form der Mobilität mit uns? Welche Anforderungen gibt es? Wo liegen die Chancen und Gefahren?

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Repariert der Fahrradbürgermeister einen Platten selbst oder geht er zum Fahrradladen seines Vertrauens? 

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Ich repariere meine Platten meistens selbst. Beim Rennradfahren geht das ja sowieso nicht anders.

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Wie sind Sie auf zwei Rädern unterwegs: mit Muskelkraft oder mit elektrischem Rückenwind?

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Meistens mit Muskelkraft. Manchmal nutze ich auch den elektrischen Rückenwind mit dem Lastenrad. Erst kürzlich habe ich meinen 91-jährigen Vater mit einer Fahrrad-Rikscha von „Radeln ohne Alter“ zu seinen beiden Impfterminen gefahren.

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Wie viele Räder stehen bei Ihnen in der Garage?  

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Meine Fahrräder stehen nicht in der Garage. Ich habe ein Alltagsrad, das im Hinterhof steht und ein Rennrad, das ich in die Wohnung mitnehme; außerdem teilen wir uns mit der Hausgemeinschaft ein Cargobike.

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Ihr schönstes Erlebnis auf dem Fahrrad? 

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Da gibt es so viele! Aber eine Sache fällt mir immer wieder auf und macht mich glücklich: Wenn ich das typische Fahrradlächeln bei Menschen sehe, die zum ersten Mal im Wortsinne „erfahren“, wie toll Radfahren ist: zum Beispiel geflüchtete Menschen, die Radfahren lernen, oder Kinder, die über ein soziales Projekt ein BMX-Fahrrad bekommen. Kennen Sie dieses typische Fahrradlächeln auch?

Fahrradheld Reinhold Goss | JobRad

„Wir wollen der Verkehrswende ein Gesicht geben!“

Reinhold Goss ist im Hauptberuf IT-Berater und seit Anfang 2021 ehrenamtlicher Kölner Fahrradbürgermeister. Jahrelang war er „nur“ ein begeisterter Alltagsradler. Erschüttert durch eine Reihe schrecklicher Unfälle im Oktober 2015 gründete Goss gemeinsam mit anderen die Initiative #RingFrei, die 2019 mit dem Deutschen Fahrradpreis ausgezeichnet wurde. Ihre Forderungen finden inzwischen breite Zustimmung: Bereits die ersten Umwidmungen von Fahrbahnen zu exklusiven Radspuren sowie das durchgängige Tempo 30 reduzierte die Unfallquote auf 40 Prozent.

JobRad spendet für jedes JobRad-Fahrradhelden-Interview 500 Euro an eine Nichtregierungsorganisation, die sich dafür einsetzt, Menschen aufs Fahrrad zu bringen. Das Geld für dieses Gespräch geht auf Wunsch unseres Fahrradhelden Reinhold Goss an Bike Bridge e.V..

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