„Das Fahrrad soll Lieblingsverkehrsmittel der Deutschen werden!“

Rebecca Peters ist Bundesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e. V.  (ADFC). Sie bringt mit ihrem verkehrspolitischen Verein – so wie wir von JobRad – Menschen aufs Fahrrad. Grund genug, ihr den Titel JobRad-Fahrradheldin zu verleihen. Ein Interview über die Radl-Traumstadt Kopenhagen, das Leben als Radlobbyistin und gutes Zeitmanagement. 

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Was sind Ihre Ziele als Bundeschefin des ADFC?

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Ich möchte, dass das Fahrrad das Lieblingsverkehrsmittel in Deutschland wird und dass die Menschen sich von diesem Verkehrsmittel in allen seinen Facetten begeistern lassen. Mit einem starken und wachsenden ADFC können wir die Verkehrswende mitgestalten. Uns wurde ja zuletzt mit dem Nationalen Radverkehrsplan 3.0 das Fahrradland Deutschland versprochen…

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Der Absatz zum Thema Fahrrad ist im Koalitionsvertrag aber klein ausgefallen ...

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Ja, im Koalitionsvertrag gibt es gerade einmal vier Zeilen zum Fahrrad. Aber immerhin steht da: „Wir setzen den Nationalen Radverkehrsplan 3.0 um.“ Und im Radverkehrsplan 3.0 steht, dass Deutschland bis 2030 Fahrradland sein soll. Hier setzen wir als ADFC an. Wir fordern einen Aktionsplan von der Bundesregierung, der beschreibt, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Der ADFC hat außerdem ein Gutachten, das Gute-Straßen-Für-Alle-Gesetz erstellt und Vorschläge für eine Reform des Straßenverkehrsgesetzes erarbeitet, die wir dem Verkehrsminister gerne an die Hand geben, damit Deutschland in acht Jahren tatsächlich Fahrradland ist. 

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Welche Rolle spielt das Fahrrad bei der Verkehrswende?

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Eine zentrale. Das Fahrrad ist eines der effizientesten Verkehrsmittel. Die meisten Wege, die wir in unserem Alltag zurücklegen, sind kurz und können locker mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Mit der E-Mobilität hat das Fahrrad, also insbesondere das Pedelec, seinen Radius verdoppelt, Distanzen von 20 Kilometern oder mehr sind kein Problem mehr. Das Verkehrsmittel Fahrrad – mit und ohne E-Antrieb – hat enormes Potential. Nur mit der Förderung des Radverkehrs kann die Verkehrswende gelingen. 

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Sie haben beim ADFC eine erstaunliche Karriere hingelegt: Sie sind mit 25 Jahren die jüngste Bundesvorsitzende in der Geschichte des Verkehrsclubs für Radfahrende. Wie sind Sie überhaupt zum Fahrrad gekommen?

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Das Fahrrad war immer Teil meines Lebens. Ich habe es als Kleinkind geliebt, bei meiner Mutter oder meinem Vater im Kindersitz mitzufahren. Dann habe ich mit Stützrädern Fahrrad fahren gelernt und bald bin ich ohne durch unser ruhiges Veedel in Köln geradelt. Meine Eltern haben mich aber schon früh sensibilisiert, dass ich als Radfahrerin im Straßenverkehr für andere mitdenken muss. Das war Teil meiner Verkehrserziehung.

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Und wie ist aus dem Fahrrad-Fan die Fahrradlobbyistin geworden? 

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Eine Exkursion mit der Uni nach Kopenhagen brachte den Stein ins Rollen. Wir waren nur mit dem Fahrrad unterwegs und ich war fasziniert, wie gut das funktioniert. Kopenhagen ist der Traum aller Radfahrerinnen und Radfahrer. Nach meiner Rückkehr wollte ich das auch in Deutschland. Über einen Dozenten an der Bonner Uni bin ich auf den ADFC und den ADFC-Fahrradklimatest aufmerksam geworden. Dann habe ich ein Praktikum beim ADFC gemacht und alles ging ganz schnell … 

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Wenn es weiter so schnell geht, heißt die erste Bundesverkehrsministerin Rebecca Peters!

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Wer weiß? Ich kann mir schon vorstellen, in die Politik zu gehen. Wenn ich wirklich Verkehrsministerin wäre, würde ich zusammen mit der Justizministerin die Straßenverkehrsordnung (StVo) und das höherrangige Straßenverkehrsgesetz (STVG) modernisieren. Damit würden klimafreundliche Verkehrsarten gestärkt und Menschen besser geschützt. Grundsätzlich täte eine Verkehrsministerin, die eine Blick für gendersensible Mobilität hat, unserem Land gut. Doch vorerst bin ich auf der Lobbying-Seite. Und das macht viel Spaß und Sinn.  

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Ihr Amt beim ADFC ist ein Ehrenamt, das viel Engagement und Zeit erfordert – und viele Reisen nach Berlin. Nebenbei machen Sie Ihren Master in Stadtentwicklung. Wie schaffen Sie das? 

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Ich bin sehr fleißig und habe ein gutes Zeitmanagement. Mein Studium lässt mir außerdem zum Glück viele Freiräume. Ich bin als ADFC-Bundesvorsitzende zwar der strategische Kopf des ADFC. Aber das Geschäftsstellen-Team in Berlin und Bremen – mit über 40 Mitarbeitenden – übernimmt den größten Teil der operativen Arbeit und entlastet uns, den Vorstand, enorm. 

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Wir führen dieses Interview, weil Sie unsere neue JobRad-Fahrradheldin sind! Wer ist Ihre Fahrradheldin oder Ihr Fahrradheld?

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Alle Menschen, die sich pro Fahrrad engagieren, sind meine Rad-Heldinnen und -Helden. Denn jede Radaktivistin und jeder Radaktivist trägt dazu bei, dass wir der Verkehrswende ein Stück näherkommen. 

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Wie sind Sie auf zwei Rädern unterwegs? Mit Muskelkraft oder mit elektrischem Rückenwind?

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Mit Muskelkraft. Im Rheinland ist es ja nicht besonders hügelig. Wenn ich Urlaub in den Bergen mache, reichen die Muskeln nicht. Dann leihe ich mir ein E-MTB aus. 

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Was machen Sie, wenn Ihr Fahrrad platt ist? Selbst reparieren oder gehen Sie zum Fahrradgeschäft Ihres Vertrauens? 

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Einen Reifen flicken, das kriege ich gerade noch hin. Und auch kleinere Reparaturen, für die man nicht so viel Werkzeug braucht, schaffe ich selbst. Ansonsten gebe ich es den Fachleuten im Fahrradladen meines Vertrauens. 

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Wie viele Räder stehen bei Ihnen im Schuppen/in der Garage/vor der Tür? 

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Genau eins. Mein Trekkingrad ist mein Alltagsbegleiter in allen Lebenslagen. Vielleicht kriegt es aber demnächst Gesellschaft von einem Faltrad. 

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Wie lautet Ihre Traumschlagzeile pro Fahrrad im Jahr 2024?

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„Die Niederländische Verkehrsministerin ist auf Deutschlandexkursion, um sich Tipps für gute Fahrradinfrastruktur zu holen.“

JobRad-Fahrradheldin Rebecca Peters

„Kopenhagen ist der Traum aller Radfahrerinnen und Radfahrer“

Rebecca Peters ist Verkehrsgeographin mit Schwerpunkt nachhaltige Stadtentwicklung und Bundesvorsitzende des ADFC. Der Verein ist mit über 213.000 Mitgliedern nicht nur der größte Fahrradverband Deutschlands, sondern der Welt. Etwa 11.000 Ehrenamtliche engagieren sich in mehr als 450 Ortsgruppen und Kreisverbänden, um die Förderung des Radverkehrs und die Mobilitätswende voranzubringen. Mitglieder des ADFC erhalten über den Mitgliedsbeitrag die ADFC-Pannenhilfe und eine Haft- und Rechtsschutzversicherung. 

 

Quelle: ADFC/ Deckbar Photographie

JobRad spendet für jedes Fahrradheldinnen-Interview 500 Euro an eine Nichtregierungsorganisation, die sich dafür einsetzt, Menschen aufs Fahrrad zu bringen. Das Geld für dieses Interview geht auf Wunsch unserer Fahrradheldin Rebecca Peters an Bike Bridge.

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