10 Jahre Dienstradleasing: Wie JobRad die betriebliche Mobilität revolutionierte

Es gehört zu den beliebtesten Mitarbeiterbenefits: das Leasing-Dienstrad. Es verwundert, dass dieses Goodie gerade erst seinen 10. Geburtstag feiert: Im November 2012 haben die Finanzministerien den sogenannten „Dienstrad-Erlass“ verabschiedet. Das JobRad wurde damit steuerlich dem Dienstwagen gleichstellt. Diese Demokratisierung betrieblicher Mobilität haben JobRad-Gründer Ulrich Prediger und Holger Tumat, CEO der JobRad Holding AG, damals erst möglich gemacht. Ein Interview über einen Schreibtisch in einer verlassenen Schlecker-Filiale, die nachhaltige Verkehrswende und Glücksgefühle beim am Stau-vorbei-Radeln.

Ulrich Prediger, JobRad-Gründer und Aufsichtsratsmitglied der JobRad Holding AG

Ulrich Prediger, JobRad-Gründer und Aufsichtsratsmitglied der JobRad Holding AG.

Holger Tumat, Vorstandsvorsitzender der JobRad Holding AG

Holger Tumat, Vorstandsvorsitzender der JobRad Holding AG.

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Herzlichen Glückwunsch zu zehn Jahren Dienstradleasing! Durch Ihr politisches Einwirken wurden die steuerlichen Voraussetzungen für die Gleichstellung von Dienstwagen und Dienstfahrrad erst geschaffen. Wie haben Sie das erreicht?

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Ulrich Prediger: Das war auf jeden Fall ein langer Weg – und wir haben viele Klinken geputzt. Wir haben mit vielen Politikerinnen und Politikern gesprochen, etwa mit der damaligen Freiburger Landtagsabgeordneten Edith Sitzmann und mit Winfried Hermann, der in Baden-Württemberg ja nach wie vor Landesverkehrsminister ist. Wir haben uns zudem mit Fahrradverbänden und -organisationen wie ADFC, B.A.U.M, VCD vernetzt und gemeinsam Lobbyarbeit pro Fahrrad gemacht. 
Holger Tumat: Das Ziel war es ja immer, Menschen aufs Rad und damit die Verkehrswende voran zu bringen. Und wenn Menschen mit dem (Job-)Rad zur Arbeit fahren, dann ist das ein wichtiger Schritt. Das war definitiv unser Antrieb.
Ulrich Prediger: Und wir hatten auch schlagende Argumente: Es ist doch nur gerecht und nachhaltig, das Dienstfahrrad mit dem Dienstauto steuerlich gleichzustellen – und somit die betriebliche Mobilität zu demokratisieren. Denn in einem Unternehmen, das Diensträder anbietet, können im Prinzip alle Mitarbeitenden aufsteigen. Dienstwägen dagegen sind meist nur einer kleinen Minderheit vorbehalten. 

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Und wie haben Sie die steuerliche Gleichstellung dann ganz konkret erreicht?  

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Holger Tumat: Wir sind den Weg über die Lohnsteuer-Referatsleitungen der Landesfinanzministerien gegangen. Unsere Forderung, die steuerliche Gleichbehandlung von Dienstrad und Dienstwagen, haben wir in einem Schreiben, das sechs befreundete Fahrradverbände unterschrieben haben, im Sommer 2012 den 16 Landesfinanzministerien vorgelegt. Ein paar Wochen später, am 23. November 2012, kam dann tatsächlich der „Dienstrad-Erlass“.

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… und bei Ihnen haben die Sektkorken geknallt?

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Ulrich Prediger: Leider nicht! Erstens haben wir das erst einen Tag später mitbekommen, weil wir damals gerade von einem Behelfsbüro in einer ehemaligen Schlecker-Filiale in ein Office in die Innenstadt gezogen sind ...
Holger Tumat: ...und zweitens hat uns diese Nachricht zu einer Zeit erreicht, in der wir finanziell mit dem Rücken zur Wand und sehr unter Druck standen. Und dann riefen plötzlich Journalisten an und wollten Interviews mit uns. Wir hatten noch nicht mal eine Webseite. Also haben zwei unserer Mitarbeiter in einigen Nachtschichten eine gebaut.

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War Ihnen damals klar, was das für Ihr Unternehmen JobRad (damals noch LeaseRad GmbH) bedeuten könnte?

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Holger Tumat: Wir wussten schon, dass diese steuerliche Gleichstellung das fehlende Puzzleteil für unsere Erfindung „Dienstradleasing per Gehaltsumwandlung“ war. Denn die Steuerersparnis plus die Bruttoentgeltwandlung macht das JobRad im Vergleich zum Direktkauf deutlich günstiger. Und damit erst richtig attraktiv. 
Ulrich Prediger: Dass unsere Idee dann aber so groß werden würde, wie sie heute ist, das hätten wir nicht in unseren kühnsten Träumen erwartet: vom Schreibtisch in einer verlassenen Schlecker-Filiale zum modernen New Work-Campus! Vom Start-up zur internationalen Unternehmensgruppe mit knapp 700 Beschäftigten. Und das in zehn Jahren. Unglaublich!

Ulrich Prediger und Holger Tumat mit Edith Sitzmann im ersten JobRad-Büro

Ulrich Prediger und Holger Tumat begrüßen Gerda Stuchlik, ehemalige Umwelt- und Bildungsbürgermeisterin der Stadt Freiburg, im ersten offiziellen JobRad-Büro (einer früheren Schlecker-Filiale).

Die Grundsteinlegung für den JobRad Campus

2019 legen Holger Tumat, Sandra Prediger und Ulrich Prediger feierlich den Grundstein für den neuen JobRad Campus an der Freiburger Businessmile.

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Sie haben sich schon früh im politischen Berlin für das Fahrrad eingesetzt. Heute beschäftigen Sie – als einziges Dienstradleasingunternehmen – gleich fünf Fahrradlobbyisten. Was versprechen Sie sich davon?

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Holger Tumat: Wir haben durch unsere Lobbyarbeit neben dem ersten Dienstrad-Erlass weitere Meilensteine erreicht: 2019 kam die Steuerfreiheit für das Dienstrad als Gehaltsextra. Das Dienstrad per Gehaltsumwandlung, ist im Vergleich zum Dienstwagen mit Verbrennungsmotor inzwischen steuerlich sogar bessergestellt (0,25%-Regel). Unser Team Politische Kommunikation setzt sich aktuell zum Beispiel dafür ein, dass eine eigene steuerrechtliche Grundlage für das Dienstrad geschaffen wird – unabhängig vom Dienstwagen. Eine weitere Forderung: Die Besteuerung von Dienstfahrzeugen nach dem CO2-Ausstoß. Dabei würden Dienstfahrräder und Dienst-E-Bikes super abschneiden.
Ulrich Prediger: Wir begeistern Menschen fürs Radfahren und tragen mit unserer nachhaltigen Dienstleistung zu einer ökologischen Verkehrswende bei. Wir können und wollen aber nicht noch 20 Jahre warten, bis sich die Fahrradinfrastruktur so weit entwickelt hat, dass die Menschen das Gefühl haben, auf dem Fahrrad sicher mobil sein zu können. Wir brauchen ein breit ausgebautes Radnetz und Radschnellwege – um das Pendeln per E-Bike oder Fahrrad auch über längere Distanzen attraktiv zu machen. Deshalb finden wir es wichtig, den Politikerinnen und Politikern die Möglichkeiten, die das Fahrrad in Sachen Verkehrswende bietet, darzulegen. Übrigens rennen wir mit unserer Lobbyarbeit offene Türen ein. Um unsere Anliegen noch besser vorantreiben zu können, haben wir 2019 in Berlin den Lobbyverband Zukunft Fahrrad mitgegründet.

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Wenn eine Idee genial ist, inspiriert und begeistert sie andere – und wird adaptiert. Zehn Jahre nach dem Dienstrad-Erlass gibt es neben dem Marktführer JobRad noch etwa 30 weitere Dienstrad-Leasinganbieter. Spornt Sie das an oder macht es Ihnen Angst?

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Ulrich Prediger: Bereits zwei oder drei Wochen nach dem Dienstrad-Erlass war der erste Marktbegleiter am Start. Das hat uns ehrlicherweise zunächst schon beunruhigt… 
Holger Tumat: …inzwischen sind wir aber deutlich entspannter: Wir haben es geschafft, Marktführer zu bleiben. Wir tun viel dafür, unsere Strukturen und Prozesse ständig weiterzuentwickeln. Und wir wollen ein Unternehmen sein, das die nächste Marktinnovation vorwegnimmt und vorantreibt.

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Die Zahlen sprechen für Sie: Heute bieten in Deutschland mehr als 50.000 Arbeitgeber Ihren Beschäftigten Dienstradleasing mit JobRad an. Damit haben über fünf Millionen Beschäftigte die Möglichkeit, sich ihr Wunschrad bei einem von über 6.000 JobRad-Fachhandelspartnern auszusuchen. Ihre Ziele für die nächsten zehn Jahre?

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Holger Tumat: Was quantitative Ziele angeht, machen wir keine Zehn-Jahres-Pläne. Das wäre in unserer schnelllebigen, volatilen Welt völlig unrealistisch. Qualitativ allerdings haben wir eine Vision: die nachhaltige Verkehrswende in Deutschland mitzugestalten. Dabei hat das Verkehrsmittel Fahrrad – mit und ohne E-Antrieb – einen enormen Hebel. Mit dem E-Bike können Pendlerinnen und Pendler Strecken von 20 Kilometern und mehr zurücklegen – und das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft. Wir haben aber auch noch eine Menge anderer Ideen, die dazu beitragen sollen, dass Deutschland Fahrradland wird. 

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Zum Beispiel?

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Holger Tumat: Flexible Mobilitätsbudgets, die leicht für Personalabteilungen händelbar, steuerlich rechtssicher und für Mitarbeitende je nach Bedürfnis veränderbar sind. Unsere Unternehmenstochter LOFINO arbeitet an genau solchen Lösungen und konnte bereits über 100 Unternehmen für seine Mobility-App begeistern.
Ulrich Prediger: Auf politischer Ebene gibt es hier aber noch viel zu tun: Denn derzeit genießen Mobilitätsbudgets – im Gegensatz zum Dienstwagen – keine steuerlichen Vorteile.  Die Dienstwagenpauschale ist zudem nicht flexibel. Weil sich Mobilitätsbedürfnisse oft ändern und intermodale Mobilität ein Schlüssel für die Verkehrswende ist, brauchen wir flexiblere und steuerlich geförderte Mobilitätsbudgets. 

Der JobRad-Campus Nord an der Freiburger Businesssmile

2021 bezieht ein Großteil der JobRad-Belegschaft das erste Gebäude (Nord) des JobRad-Campus an der Heinrich-von-Stephan-Straße – im Herbst 2023 folgt die Fertigstellung des zweiten Gebäudes (Süd).

Rückfahrt von der Eurobike 2021

Zwei, die die Leidenschaft fürs Rad teilen: Ulrich Prediger und Holger Tumat auf gemeinsamer Radtour, hier 2021 auf der Rückfahrt von der letzten Eurobike in Friedrichshafen. 

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Ihr persönlich größter Erfolg der letzten Jahre?

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Ulrich Prediger: Einer meiner persönlichen Meilensteine war im Jahr 2016 ein Artikel über Fahrradleasing in der Fuhrpark-Zeitschrift bfp. Es wurde in dem Text ganz selbstverständlich über Diensträder berichtet. Da wusste ich: Wir haben es geschafft! 
Holger Tumat: Ich bin erstens stolz, dass wir es geschafft haben, bei unserem turbulenten, schnellen Wachstum, eine Organisation zu entwickeln, die funktioniert und Kundenbedürfnisse bestmöglich befriedigt. Und zweitens – und das ist mir ebenso wichtig – dass sich in unserer Organisation die Menschen gerne einbringen, engagieren und sich persönlich weiterentwickeln. 

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Und Misserfolge?

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Ulrich Prediger: Eher Dinge, die mich herausfordern. Zum Beispiel ist der Verband der Automobilindustrie (VDA) deshalb so erfolgreich, weil er viele Interessen und viele Unternehmen bündelt und mit einer Stimme für die gesamte Automobilindustrie in Berlin vorstellig wird. So schlagkräftig sind wir als Fahrradwirtschaft noch nicht. Auch wenn wir hart daran arbeiten. 
Holger Tumat: Es gibt Momente im Unternehmerdasein, da schafft man es nicht, allen Menschen in der Organisation gerecht zu werden: Wenn wir beispielsweise eine Entscheidung treffen, die der Einzelne als ungerecht, unangemessen, unpassend empfindet. Das schmerzt mich immer. Und auch, wenn wir es als Organisation nicht schaffen, so gut zu sein, wie wir könnten. Es gab zum Beispiel im ersten Jahr der Pandemie eine Phase, da hätten wir definitiv mehr Kunden bedienen können. Aber wir haben das nicht gemacht, weil wir unsere Beschäftigten überlastet oder unsere IT-Systeme das Wachstum nicht geschafft hätten. 

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Sie sind nicht nur erfolgreiche Unternehmer in der boomenden Fahrradbranche, sondern auch leidenschaftliche Radfahrer. Ihr schönstes Erlebnis auf dem Velo?

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Holger Tumat: Meine beiden Alpenüberquerungen. Ich bin im Jahr 2009 mit einem selbst umgebauten E-Bike über die Alpen geradelt. Es hat mich total fasziniert, ohne Knieschmerzen über dieses Gebirge zu pedalieren. Damals habe ich verstanden, dass das E-Bike ein gigantisches Potenzial hat. Das zweite Mal bin ich mit dem Rennrad – nur mit Muskelkraft – über den Splügenpass gefahren.
Ulrich Prediger: Eigentlich jeden Tag. Wenn ich in die Pedale trete, habe ich Glücksgefühle. Ich bin ein wahnsinnig ungeduldiger Mensch, und wenn ich am Stau vorbeifahre, macht mich das froh. Ich bin mit dem Fahrrad fast immer schneller als mit dem Auto – und dazu noch umweltfreundlich unterwegs. Ganz nebenbei tue ich meiner Gesundheit noch etwas Gutes. 

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Wie viele Fahrräder stehen in Ihrer Garage/in Ihrem Schuppen?

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Holger Tumat: Sechs! Ich habe ein Faltrad für Dienstreisen; ein Rennrad, ein Mountainbike, mein Trekkingrad, das ich mir vor ewiger Zeit mal selbst umgebaut habe. Ich fahre außerdem ein Gravelbike, das ist mein liebstes und Alltags- und Reiserad. Und mit meinem alten 26-Zoll-Mountainbike radle ich zum Arbeiten in meinen Bio-Weinberg. Das ist mein Ausgleich zur Arbeit am Schreibtisch. 
Ulrich Prediger: Ohje – ich glaube, es sind bald zehn verschiedene Fahrräder (lacht). Aber jedes fahre ich zu einem bestimmten Zweck. 

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Die FAZ titelte 2012 zum Dienstrad-Erlass: „Der Fiskus radelt mit“. Welche Schlagzeile wünschen Sie sich für das Jahr 2032? 

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Holger Tumat: „Deutschland schafft die nachhaltige Verkehrswende…  
Ulrich Prediger: „… und das Fahrrad ist Alltagsverkehrsmittel Nummer eins!.“ 

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