"Dienst am Rad"

Beim Thema Dienstradleasing gibt es gerade viel Bewegung – auch wegen neuer steuerlicher Fördermöglichkeiten. Ein Interview mit JobRad®-Gründer Ulrich Prediger über Lobbyarbeit für das Fahrrad, die Mobilität der Zukunft – und seine persönliche Botschaft an Gesundheitsminister Jens Spahn.

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Herr Prediger, Sie bezeichnen die Neuregelung der Dienstradversteuerung als Meilenstein. Warum?

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Den ersten Meilenstein für das Dienstradleasing haben wir bereits 2012 erreicht. Gemeinsam mit unseren Verbündeten haben wir damals erwirkt, dass Fahrrad und E-Bike steuerlich dem Dienstauto gleichgestellt wurden. Die sogenannte 1 %-Regel hat das Dienstradleasing überhaupt erst möglich gemacht und das Thema hat an Fahrt aufgenommen. Die 1 %-Regel ist im Steuerrecht eine Vereinfachungsregel, damit nicht jede einzelne Privatfahrt für die Steuererklärung dokumentiert werden muss. Mit der neuen „0,5 %-Regel", die die Steuerbehörden jetzt beschlossen haben, erfahren Dienstradlerinnen und Dienstradler erstmals eine substantielle steuerliche Förderung. Für viele Arbeitnehmer wird das Firmenrad finanziell jetzt noch attraktiver. Und was mich besonders freut: Politik und Verwaltung haben endlich das Potential des Dienstrads erkannt, auch mit dem Beschluss, dass das arbeitgeberfinanzierte Dienstrad künftig steuerfrei ist. Zwei großartige politische Entscheidungen, die in eine fahrradfreundlichere Zukunft weisen. 

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Wie funktioniert die neue „0,5 %-Regel" genau?

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Am 13. März 2019 wurde von den obersten Finanzbehörden beschlossen, dass sich beim Dienstrad per Gehaltsumwandlung die Bemessungsgrundlage für die Versteuerung des geldwerten Vorteils bei privater Nutzung halbiert. Das führt zu einer Ersparnis von bis zu 40 Prozent im Vergleich zum herkömmlichen Kauf. Jeder, der ab dem 1. Januar 2019 ein Jobrad in Empfang genommen hat oder bis 31. Dezember 2021 übernehmen wird, kommt in den Genuss der steuerlichen Erleichterung. Bislang musste ein Prozent des Listenpreises als geldwerter Vorteil versteuert werden. Bei einem Fahrrad, das 3.000 Euro kostet, waren das bei einem Steuersatz von 30 Prozent etwa 10 Euro pro Monat. In Zukunft halbiert sich der Betrag – um im obigen Beispiel zu bleiben – auf fünf Euro pro Monat. In Summe macht das bei einer Laufzeit von 36 Monaten immerhin eine Einsparung von etwa 180 Euro.

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Beide neuen steuerlichen Förderungen – die „0,5 %-Regel" und die Steuerfreiheit beim arbeitgeberfinanzierten Dienstrad – gelten aber erst einmal nur befristet und nicht für laufende Verträge. Ist das nicht ungerecht?

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Ja, das ist leider so. Wir hoffen, dass sich die Politik dazu entschließt, sowohl die neue „0,5 %-Regel" als auch die Regelung für das steuerbefreite arbeitgeberfinanzierte Dienstrad zu entfristen. Wir werden weiter auf politischer Ebene dafür kämpfen. Auch hätten wir uns gewünscht, dass die Regelung ebenso bei laufenden Verträgen greift.

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Wie kämpft man auf politischer Ebene als Fahrrad-Lobbyist?

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Ich musste mich erst mal an den Begriff „Lobbyist“ gewöhnen, der hat ja schon ein Gschmäckle. Aber es ist doch so: Wir kämpfen für eine Mobilitätswende, für die Umwelt, für bessere Luft. Kurz: für die gute Fahrradsache. JobRad hat inzwischen ein tolles und großes Netzwerk aufgebaut, dazu gehören viele Nachhaltigkeits- und Fahrradverbände, viele Akteure der Fahrradindustrie und eine wachsende Anzahl von Bundes- und Landtagsabgeordneten und Staatssekretären. Wir finden mittlerweile Gehör in der Politik! Neben der Entfristung der „0,5 %-Regel“ und des arbeitgeberfinanzierten Dienstrads setzen wir uns zum Beispiel auch für eine Kaufprämie für Elektrofahrräder analog zu Elektroautos ein.

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Wie viele Radler muss man mit den Abgeordneten trinken, um etwas zu erreichen?

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Zwei, drei ... (lacht). Nein, so einfach ist es natürlich nicht. Das Wichtigste ist, konkrete Lösungen für aktuelle politische Themen zu haben. Dienstradleasing ist eine Lösung für das drängende Problem der Pkw-Pendlerströme, die unsere Städte verstopfen und die Menschen auf dem Weg zur Arbeit krank machen. Diese Lösung muss man den Handelnden in der Politik in vielen Gesprächen nahe bringen. Wir müssen zeigen, welche Chancen im Thema liegen und was es braucht, damit die Chancen genutzt werden können.

Konkret bedeutet das: viele Gespräche mit den richtigen Leuten zum richtigen Zeitpunkt ...

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... aber Ihr Unternehmen läuft doch. Sie haben innerhalb eines Jahres Ihre Mitarbeiterzahl auf über 200 verdoppelt, bauen ein neues Firmengebäude. Warum beschäftigen Sie zusätzlich zu Ihrem Tagesgeschäft noch vier Mitarbeiter in der politischen Kommunikation? Das ist doch sicher zeitraubend und teuer?

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Wir wollen natürlich zum einen weiter wachsen und den Markt und das Marktumfeld positiv gestalten. Aber wir haben vor allem eine Vision: das (Dienst-)Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel in Deutschland zu etablieren. Wir machen also auch ganz allgemein „Dienst am Rad“. Denn das Fahrrad ist schließlich das genialste Verkehrsmittel der Welt, das ganz viele Probleme löst. Stichwort: Verkehr, Umwelt, Flächenversiegelung, CO2, Feinstaub ... Außerdem macht (dienst-)radeln viel Spaß, hält fit, motiviert und ist günstig – und Radler sind meistens schneller da.

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Das (Dienst-)Fahrrad hat also ein riesiges Potential als Problemlöser im Verkehr, im Umwelt- und im Klimaschutz. Wie sieht es im Bereich Gesundheit aus? Stellen Sie sich vor, Sie treffen Gesundheitsminister Jens Spahn. Was wäre Ihre Botschaft an ihn?

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(lacht) Ich würde ihn vermutlich fragen: Wir haben mit dem Dienstradkonzept eine Möglichkeit, wie wir Menschen recht leicht motivieren können, sich regelmäßig zu bewegen – egal, ob mit einem herkömmlichen Rad oder mit einem E-Bike. Wenn die Leute mit dem Rad zur Arbeit fahren, treiben sie fast nebenbei während des Arbeitsweges Sport, sind im Schnitt zwei Tage weniger krank und motivierter. Könnten wir bei diesem Thema nicht gemeinsam etwas auf die Beine stellen, Herr Spahn?

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Der E-Bike-Markt boomt, auch weil mit dem Fahrrad mit Elektroantrieb längere Strecken zur Arbeit zügig zurückgelegt werden können. In Deutschland würden deutlich weniger E-Bikes durch die Straßen kurven, wenn es das Konzept Dienstradleasing nicht gäbe, oder?

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Die E-Bike-Branche und das Dienstradleasing befruchten sich gegenseitig. Was ja viele nicht wissen: Als Dienstradleasing-Marktführer sind wir einer der größten Abnehmer von E-Bikes. Und im letzten Jahr wurden erstmals fast eine Million E-Bikes in Deutschland verkauft. Das E-Bike ist für das Leasing natürlich perfekt, nicht nur wegen des relativ hohen Kaufpreises, sondern wegen der schnell fortschreitenden technischen Entwicklung. Fast jedes Jahr kommen neue Antriebsarten heraus, mit effizienteren Akkus, schnittigeren und leichteren Modellen. Durch das Leasing hat der Kunde die Chance, alle drei Jahre auf die neueste Technologie umzusatteln ...

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... also vergleichbar mit dem Geschäftsmodell des Firmenwagens?

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Ja, genau. Meine These ist ja: Wir hätten in Deutschland keine so großen Premiumautohersteller wie Mercedes, BMW und Porsche, wenn es nicht Autoleasing und das Firmenwagenkonzept gäbe. Ich glaube, dass wir mit unserem Firmenfahrradkonzept deutsche Premiumfahrradhersteller noch weiter etablieren können. Denn nicht zuletzt dank des Dienstfahrradkonzepts setzen sie viele hochpreisige E-Bikes und auch herkömmliche Fahrräder ab. Und mit den neuesten steuerlichen Förderungen werden es sicher noch viel mehr ...

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Wie sieht Ihre Mobilitätsvision für die Zukunft aus? Ihr nächster Meilenstein?

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Ich habe während meines Studiums in Holland erlebt, wie sehr dort das Fahrrad in der Kultur verankert ist. Das hat mir imponiert. Alle fahren mit dem Rad zur Arbeit, bringen vorher noch die Kinder in die Kita und kaufen auf dem Rückweg ein ... Davon träume ich: Das Fahrrad als gleichberechtigtes Verkehrsmittel. Und vielleicht kommen wir ja bald dahin. Denn ich bin sicher, dass sich in den nächsten zehn Jahren durch das autonome Auto unser Mobilitätsverhalten enorm verändern wird, wir werden nur noch einen Bruchteil der Pkw für die gleiche Verkehrsleistung brauchen. Aber wir müssen unbedingt dafür sorgen, dass infolge des autonomen Fahrens am Ende nicht noch mehr Autos unterwegs sind. Es ist enorm wichtig, dass wir diese Riesenchance für das Fahrrad nutzen: Der frei werdende Raum soll zukünftig den umweltfreundlichen, sauberen, leisen und gesunden Fortbewegungsmitteln gehören. Dieses Ziel erreichen wir aber nur, wenn wir als Fahrradindustrie unsere Interessen mit einer starken Stimme in Berlin einbringen.

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